In Deutschland nehmen die von den Statistikern so genannten alternativen Familienmodelle zu. Vor allem im Osten der Republik und in den Großstädten ist die klassische Familie auf dem Rückzug. Bundesweit sind Familien auf dem Vormarsch, in denen die Eltern ohne Trauschein zusammen leben oder alleinerziehend sind.
Die größten Veränderungen sind jedoch in Ostdeutschland zu beobachten. Am 9. November wurden in diesem Jahr die ersten “Kinder des Mauerfalls” volljährig. “Die deutsche Einheit ist jetzt auch erwachsen”, sagte Walter Radermacher, der Präsident des Statistischen Bundesamts,, am Mittwoch bei der Vorstellung des Mikrozensus 2006. “Trotzdem sieht man große Unterschiede.”
Das wird deutlich, wenn es um das Zusammenleben jenseits der traditionellen Familie geht. Die “alternativen Familien”, wie sie in den Statistiken genannt werden, machen bundesweit 26 Prozent aller Familien aus - meistens Alleinerziehende (18 Prozent), aber auch unverheiratete Lebensgemeinschaften mit Kindern (8 Prozent). Zehn Jahre zuvor waren das insgesamt erst 19 Prozent.
In der Bundeshauptstadt Berlin besteht inzwischen fast die Hälfte aller Familien aus Alleinerziehenden oder Lebensgemeinschaften mit Kindern. Danach folgen mit Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen- Anhalt, Brandenburg und Thüringen hintereinander alle ostdeutschen Länder. Doch auch in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie in Schleswig-Holstein ist die traditionelle Familie stärker auf dem Rückzug als im bundesweiten Durchschnitt, der bei 26 Prozent liegt.