Obwohl sowohl Mütter als auch Väter ein Recht auf Elterngeld haben, nehmen bislang vor allem Mütter eine Auszeit vom Job. Für Alleinerziehende bringt es gegenüber dem früheren Erziehungsgeld mehr Nachteile als Vorteile.
Die Väter von rund 15 Prozent der neugeborenen Kinder in Deutschland beziehen Elterngeld. Das geht aus den neuesten Ergebnissen der Elterngeldstatistik hervor, die das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden erstmals unter Bezug zur Geburtenstatistik veröffentlicht hat. Die Wirksamkeit des 2007 eingeführten Elterngeldes bleibt umstritten.
Der Bundesverband für alleinerziehende Mütter und Väter (VAMV) wirft der Regierung Inkonsequenz bei der Ausgestaltung des Elterngeldes vor. “Die Vätermonate haben nur Alibifunktion und sind kein wirklicher Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit”, sagte Peggi Liebisch vom VAMV. Dazu müssten beide Elternteile gleich lang zu Hause bleiben und Anspruch auf Elterngeld haben. Zudem verhindere die Obergrenze von 1800 Euro, dass besserverdienende Väter eine längere Auszeit vom Job nehmen.
Im Gegensatz zum früheren Erziehungsgeld bedeute Elterngeld einen massiven finanziellen Verlust für Alleinerziehende, Niedrigverdiener oder Hartz IV-Empfänger. Sie bekommen statt bis zu zwei Jahren nur noch zwölf Monate Unterstützung. Liebisch plädierte für eine unbegrenzte Lohnersatzleistung, die sich am Nettoeinkommen des Anspruchsberechtigten bemisst. Auch Alleinerziehende bräuchten erheblich mehr Geld zur Existenzsicherung. Zudem müsse man über eine Kindergrundsicherung nachdenken, sagte Liebisch. Ihr Verband fordert eine Summe von 450 Euro im Monat.